Mit der 28. Ausgabe des Konfliktbarometers setzt das HIIK seine jährlich erscheinenden Berichte zum weltweiten Konfliktgeschehen fort.

Das globale politische Konfliktpanorama des Jahres 2019 war trotz eines geringen Rückgangs von der Kontinuität hochgewaltsamer Konflikte geprägt. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl der Kriege von 16 auf 15 leicht zurück. Während diese in Afrika, Amerika und in der Region des Mittleren Ostens und Nordafrika (MENA) ausgetragen wurden, verzeichnete das HIIK in Asien und Europa keinen Krieg. Der Drogenkonflikt in Brasilien, zwei innerstaatliche Auseinandersetzungen in der Demokratischen Republik Kongo und der von islamistischen Gruppen angetriebene Konflikt in der Sahelzone eskalierten zu Kriegen. Gleichzeitig de-eskalierten fünf Kriege, elf Kriege setzten sich fort. Ähnliche Entwicklungen zu einem leichten Rückgang wurde auch für die Anzahl der begrenzten Kriege festgestellt. Vier Konflikte wurden von den Konfliktparteien selbst beigelegt oder vom HIIK nach zweijähriger Inaktivität geschlossen.

Die Region mit den meisten Kriegen blieb auch im Jahr 2019 der Nahe Osten und Nordafrika. In Afghanistan, Ägypten, Syrien, Libyen, Jemen und der Türkei wurden insgesamt acht Kriege beobachtet. Der Inter-Oppositionskonflikt in Syrien de-eskalierte zu einem begrenzten Krieg. In Sub-Sahara Afrika verringerte sich die Zahl der Kriege als auch die der begrenzten Kriege im Vergleich zum Vorjahr. Der Darfur-Konflikt im Sudan de-eskalierte signifikant von einem Krieg zu einer gewaltsamen Krise. Drogenkonflikte in Mexiko und Brasilien wurden als Kriege in den Amerikas beobachtet. Zudem wurden drei weitere begrenzte Kriege ausgetragen, zwei davon in Kolumbien und einer in Mexiko. Der Oppositionskonflikt in Nicaragua hingegen wurde zu einer gewaltsamen Krise herabgestuft. In Asien und Ozeanien verzeichnete das HIIK einen Abstieg der begrenzten Kriege. Krisenherde waren hier der fortlaufende Grenzkonflikt zwischen Indien und Pakistan, zwei begrenzte Kriege auf den Philippinen, der Konflikt in Rakhine State in Myanmar, sowie der Unabhängigkeitskonflikt Papuas in Indonesien. Auch im Jahr 2019 beobachtete das HIIK in Europa keinen Krieg, während der Ostukrainekonflikt als begrenzter Krieg fortgeführt wurde.

Der Konfliktbarometer 2019 kann hier heruntergeladen werden:

Im Mai 1990 gegründet, feiert das HIIK dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Seither widmet sich das Institut der Erforschung, Dokumentation und Auswertung inner-, zwischen-, trans- und substaatlicher Konflikte weltweit. Der Vorstand bedankt sich bei allen Mitwirkenden recht herzlich. Ohne ihren Einsatz wäre eine solche Publikation nicht möglich gewesen.

Der Vorstand
Marit Braunschweig, Anna Feiereisen, Ronja Gottschling, Michael Hebeisen, Ruben Ilyas, Mayely Müller

Heidelberg, März 2020